Homeoffice – Gibt es bald einen gesetzlichen Anspruch auf Arbeiten von zu Hause aus?

Allgemein

Anja Krötzsch

„Homeoffice – Da arbeitet doch niemand mehr produktiv“. Deutsche Arbeitgeber haben oft Vorbehalte gegen die Tätigkeit von zu Hause aus. Nur etwa 12% der Beschäftigten arbeiten immer oder gelegentlich anderswo als im Büro. Verschiedene Umfragen zeigen aber, dass Mitarbeiter sich heute mehr Flexibilität bei der Organisation ihrer Arbeitszeit wünschen, zum Beispiel um mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können, dem täglichen Pendlerstau zumindest ab und zu zu entgehen oder generell Arbeit und Freizeit besser miteinander in Einklang zu bringen.

Einen rechtlichen Anspruch auf eine Homeoffice-Tätigkeit gibt es in Deutschland nicht, anders als in den Niederlanden. Dort ist dieser Anspruch seit 2015 gesetzlich verankert. Aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales gibt es Überlegungen, eine ähnliche Regelung auch bei uns einzuführen. Unternehmen müssten dem Wunsch ihrer Mitarbeiter nach einer Tätigkeit von zu Hause aus dann grundsätzlich nachkommen, eine Ablehnung müsste entsprechend begründet werden.

Auch heute könnte der Homeoffice-Anteil bei den Beschäftigten schon größer sein. Oft scheitert das schlicht an der noch sehr stark ausgeprägten Präsenzkultur in deutschen Unternehmen. Und sicher – wer von Berufs wegen Kranke pflegt, Straßen baut oder Kaffee serviert, kann dies nicht von zu Hause aus tun. Aber warum sollte der Grafikdesigner, die Softwareentwicklerin oder der Sachbearbeiter einer Versicherung nicht zumindest gelegentlich von zu Hause aus arbeiten?

Ich selbst darf bei Ronsdorf Personal & Business auch Erfahrungen mit dem Thema Homeoffice sammeln. Zwei Tage pro Woche bin ich im Büro, die restliche Zeit über arbeite ich von zu Hause aus. Für mich ist diese Regelung ideal, da sie mir die zeitliche Flexibilität gibt, die ich mit zwei kleinen Kindern gern hätte. So kann ich Teilzeit-Job und Familie optimal miteinander verbinden. Ich war ehrlich erstaunt darüber, wie produktiv und effizient ich zu Hause arbeiten kann. Und durch die beiden Tage im Büro sehe ich auch meine Kollegen regelmäßig, zusätzlich zu dem selbstverständlichen Austausch per E-Mail und Telefon, und verliere so auch den „sozialen Anschluss“ nicht.

Vielleicht werden wir bei diesem Thema in den nächsten Jahren eine Trendwende erleben. Der Wunsch der Arbeitnehmer nach mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeit ist offenbar da. Darauf einzugehen bietet für Unternehmen in Zeiten schwer zu findender und hart umkämpfter Fachkräfte auch die Chance, sich auf dem Arbeitsmarkt positiv hervor zu heben.

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